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04.03.2016, 09:31 Uhr
Immer hoch hinaus, aber nicht abheben
Eberhard Gienger sprach bein Kartoffelessen in Cappeln und gab Einblicke in eine einzigartige Laufbahn
Deutsche Meisterschaften gewann das heutige Mitglied des Bundestages am laufenden Band. Auch EM- und WM-Titel schmückten seine Vita. Olympisches Gold blieb ihm verwehrt (Münsterländische Tageszeitung, von Thomas Vorwerk)
Vorturner: Eberhard Gienger deutete am Rednerpult die Abläufe am Reck an. (Foto Thomas Vorwerk)
Cappeln. Schon in frühsten Kindertagen war für Eberhard Gienger klar: Ich werde Fußballer. Doch dann kam die Einschulung und nachdem der Arzt bei der Eingangsuntersuchung die eine oder andere Unzulänglichkeit im Körperbau festgestellte, wurde er zum Turnen geschickt. Eine Entscheidung, die Folgen haben sollte. Lebhaft und unterhaltsam schilderte der 36-fache Deutsche Meister, Welt- und Europameister sowie Olympia-Dritte vor knapp 300 Gästen seinen Werdegang. Im Sport habe er gelernt, mit Siegen und Niederlagen klarzukommen, nach Niederlagen sich wieder aufzuraffen und nach Siegen nicht abzuheben. Dass Gienger seit 2002 für die CDU auch im Bundestag einen Sitz hat, war auf dem Kartoffelpufferessen der Christdemokraten in Cappeln eher nebensächlich.
In Baden-Württemberg, genauer in Künzelsau, erblickte er 1951 das Licht der Welt. Neben dem Sport in der Schule traf er auf seinen Mentor. "Der war ein Mann, der 60 Jahre älter war und in seinem Garten Turngeräte stehen hatte", so Gienger, ohne den Namen seines Trainers zu nennen. Neben vielen Tipps hat er ihm einen Satz mitgegeben, den er sein Leben lang nicht vergessen sollte: "Du musst immer schön bescheiden bleiben. Aber wenn man dich loslässt, dann musst du zeigen, was du drauf hast".
Bescheidenheit und Demut prägten auch seine Zeit in Japan, einem Land, das sich in so vielen Dingen von Deuschland unterschied. Dort verbesserte er seine Technik, was sich 1973 mit dem Sieg der Europameisterschaften auszahlen sollte. Drei bis vier Stunden Training an sechs Tagen in der Woche gehörten zu seinem Programm. "Neben dem Studium war das eine Menge".
Auf seinem Sieg 1973 war man ganz offentlichtlich nicht gefasst. Bei der Siegerehrung wurde erst nach langem Suchen das passende Tonband gefunden - meinte man. Aus den Lautsprechern plärrte dann aber die dänische Hymne.
National hatte er bis zu diesem Zeitpunkt schon einige Titel eingefahren. International folge nach der EM 1973 ein Jahr später die Weltmeisterschaft, bei der er sich ebenfalls Gold holte. 1975 gab es wieder einen EM-Sieg, doch der Traum von olympischen Gold platzte 1976. Es wurde Bronze. "Bronze-Gewinner sind glücklicher", verriet er den Gästen. "Der zweite hat Gold verpasst, aber wer Bronze hat, ist froh, nicht vierter geworden zu sein". Einen zweiten Anlauf wollte er 1980 in Moskau nehmen, doch nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan boykottierten die westlichen Ländern die olympischen Spiele. 1981 beendete er seine einzigartige Laufbahn als Leistungssportler. 
Von Bewegung hält der bald 65-Jährige bis heute eine Menge und das gab er den aufmerksamen Zuhörern unbedingt mit auf den Weg. Als Botschafter des Sports ermunterte er, schon in früher Kindheit auf körperliche Ertüchtigung und Ernährung zu achten. "Auch ein 80-Jähriger kann seine Muskeln trainieren. Ein Doppelsalto ist dann aber nicht mehr erforderlich".
Kraft und Disziplin seien in seiner Sportlerkarriere wichtig gewesen, sagte der Franke. Eigenschaften, die ihm auch bei seinem beruflichen Werdegang und jetzt in der Politik zugute kommen. Im Sport habe er zudem gelernt, mit Siegen und Niederlagen klarzukommen, nach Niederlagen sich wieder aufzuraffen und nach Siegen nicht abzuheben.

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