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15.02.2012, 15:14 Uhr
„Öko-Hähne machen keinen Suizid“
Melle. Stetige Verbesserungen der Lebensmittelqualität und des Tierwohls in den vergangenen Jahrzehnten betonten fast alle Redner auf der Jahreshauptversammlung des Meller Kreislandvolkverbandes. Sie kritisierten gegensätzliche Behauptungen von „angeblichen Tierschützern, die mit undefinierten Begriffen wie Massentierhaltung oder Agrarindustrie die gesamte Landwirtschaft verunglimpfen wollen".
Mit anschaulichen Beispielen verdeutlichte Hauptredner Clemens große Macke seine Auffassungen zur Agrarpolitik und zur modernen Landwirtschaft. So beschrieb der CDU-Landtagsabgeordnete das Entsetzen einer Oppositionspolitikerin, die mit ihm gemeinsam eine hochmoderne Schlachtanlage besichtigte. Dort wurden Tausenden an Förderbändern hängenden Hähnchen von rotierenden Messern vollautomatisch die Köpfe abgetrennt. „Ich musste die Dame darauf hinweisen, dass auch Öko-Hähnchen keinen Selbstmord begehen, um auf dem Teller der Verbraucher zu landen", meinte der Referent unter dem Beifall der schmunzelnden Versammlungsteilnehmer.

Glücklicherweise dürften heute keine schmutzigen Schlachtwerkzeuge mehr zum Einsatz kommen. Die hygienischen Verhältnisse seien sowohl bei der Schlachtung als auch bei der Aufzucht von Tieren wesentlich besser als vor 30 Jahren, erklärte Clemens große Macke, der selbst einen ökologischen Legehennenbetrieb im Raum Cloppenburg bewirtschaftet. Auf Wunsch der Versammlung ging er auf den niedersächsischen Tierschutzplan ein, der unter anderem ein Verbot des Kupierens von Schweineschwänzen und des Stutzens von Hühnerschnäbeln vorsieht. „Alle Maßnahmen müssen wissenschaftlich begründet und ökonomisch vertretbar sein sowie europaweit gelten", nannte der Agrar-Politiker die wichtigsten Kriterien für seine Zustimmung.

Ebenfalls praxisnah und nachvollziehbar für Nicht-Landwirte war Hermann-Josef Bolte in seiner Eröffnungsansprache auf die Entwicklung des Tierschutzes eingegangen. „Noch vor zwei bis drei Jahrzehnten hätten sich die auf Stroh gehaltenen Schweine bei einer Kälteperiode wie in diesem Februar nach einem beheizten Vollspaltenboden, wie er heute üblich ist, gesehnt", erklärte der Meller Kreislandvolkvorsitzende. Nach seiner Einschätzung haben sich die Systeme zur Nahrungsmittelsicherheit vor dem Hintergrund des „Dioxin-Vorfalls" im vergangenen Jahr bewährt, Lücken konnten schnell erkannt und neue Anforderungen umgehend erfüllt werden.

„Eine hohe Qualität und große Vielfalt bei den Lebensmitteln sind jederzeit verfügbar, preiswert und sicher" - so lautet Boltes Fazit angesichts der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Praxis. Dabei sei das Angebot stets am Verbraucherwunsch ausgerichtet. Ausschlaggebend seien dabei nicht zweifelhafte Umfrage-Ergebnisse, sondern die tatsächlichen Entscheidungen der Verbraucher an den Ladenkassen. Der Landvolkchef richtete sich an die vielen Gäste aus Verbänden, Kirchen, Wirtschaft, Politik, Landwirtschaftskammer, Stadt- und Kreisverwaltung: „Wir wissen es zu schätzen, dass Sie gekommen sind und sich mit dem Blickwinkel der Landwirte auseinandersetzen."

In einem Grußwort hob André Berghegger die „herausragende Bedeutung der Landwirtschaft in der Flächenstadt Melle" hervor. Der Bürgermeister: „Trotz Preis- und Wettbewerbsdruck hat die Landwirtschaft beim Umweltschutz und in der Lebensmittelqualität weiter zugelegt."

Von „besseren Haltungsbedingungen in moderneren Ställen" sprach der stellvertretende Landrat Frank Hünnefeld. „Gegen Unwissenheit und Vorurteile hilft Transparenz von der Ladentheke bis zum Acker", ging Landvolk-Geschäftsführer Heinrich Kinnius in seinem Geschäftsbericht auch auf die pädagogischen Projekte mit Schul- und Kindergartenkindern ein. Transparenz beim Tag des offenen Hofes am 17. Juni in Bennien kündigte auch der stellvertretende Landvolkvorsitzende Heiner Niederniehaus an.

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